Unverhofftes Wiedersehen
Unexpected Reunion
In the Swedish mining town of Falun, a young miner kisses his bride and promises her that they will be married on St. Lucia's Day. A few days before the wedding he knocks on her window to wish her good morning on his way to the mine, and he never comes back. She puts away the black neckerchief she had sewn for his wedding day and never forgets him, while fifty years of world history roll past. Then, in 1809, miners digging deep beneath Falun make a discovery that brings the past back to the surface.
Unverhofftes Wiedersehen in English
Falun ist eine Stadt in Schweden. Dort gibt es ein großes Bergwerk. Unsere Geschichte beginnt dort vor mehr als fünfzig Jahren.
Falun is a town in Sweden. It has a big mine. Our story begins there more than fifty years ago.
Ein junger Bergmann küsst seine Braut. Die Braut ist jung und hübsch. Die beiden wollen am Luciatag im Dezember heiraten.
A young miner kisses his bride. The bride is young and pretty. The two of them want to get married on St. Lucia's Day in December.
Der Bergmann sagt: „Am Luciatag segnet der Pfarrer unsere Liebe.“ „Wir sind dann Mann und Frau.“ „Wir bauen uns ein eigenes kleines Zuhause.“
The miner says, “On St. Lucia's Day the priest will bless our love.” “Then we will be man and wife.” “We will build ourselves a little home of our own.”
Die Braut lächelt und sagt: „Frieden und Liebe sollen dort wohnen.“ „Du bist alles für mich.“ „Ohne dich will ich lieber im Grab sein.“
The bride smiles and says, “Peace and love shall live there.” “You are everything to me.” “Without you I would rather be in the grave.”
Vor dem Luciatag spricht der Pfarrer in der Kirche über die Hochzeit. Er fragt schon zum zweiten Mal: „Hat jemand etwas gegen diese Hochzeit?“ Da meldet sich der Tod.
Before St. Lucia's Day, the priest speaks about the wedding in church. For the second time now he asks, “Does anyone have anything against this wedding?” Then Death speaks up.
Am nächsten Morgen geht der junge Bergmann zur Arbeit. Er trägt seine schwarze Bergmannskleidung. Ein Bergmann hat seine Totenkleidung immer an.
The next morning the young miner goes to work. He is wearing his black miner's clothes. A miner always wears his shroud.
Er geht an dem Haus von seiner Braut vorbei. Er klopft noch einmal an ihr Fenster. Er sagt „Guten Morgen“ zu ihr.
He walks past his bride's house. He knocks on her window once more. He says “Good morning” to her.
Aber „Guten Abend“ sagt er nie mehr. Er kommt nicht mehr aus dem Bergwerk zurück.
But he never says “Good evening” to her again. He never comes back from the mine.
An diesem Morgen näht die Braut ein schwarzes Halstuch für ihn. Das Halstuch hat einen roten Rand. Er soll es bei der Hochzeit tragen.
That morning the bride is sewing a black neckerchief for him. The neckerchief has a red border. He is to wear it at the wedding.
Aber er kommt nicht. Darum legt sie das Halstuch weg. Sie weint um ihn und vergisst ihn nie.
But he does not come. So she puts the neckerchief away. She weeps for him and never forgets him.
Dann vergehen viele Jahre. In der Welt passiert sehr viel.
Then many years go by. A great deal happens in the world.
Ein Erdbeben zerstört die Stadt Lissabon in Portugal. Der Siebenjährige Krieg geht zu Ende. Kaiser Franz der Erste stirbt.
An earthquake destroys the city of Lisbon in Portugal. The Seven Years' War comes to an end. Emperor Francis I dies.
Diese Geschichte beginnt vor mehr als fünfzig Jahren in Falun in Schweden. Ein junger Bergmann küsst dort seine junge, hübsche Braut. Die beiden wollen am Luciatag im Dezember heiraten.
This story begins more than fifty years ago in Falun in Sweden. There a young miner kisses his pretty young bride. The two of them want to get married on St. Lucia's Day in December.
Der Bergmann sagt zu ihr: „Am Luciatag segnet der Pfarrer unsere Liebe.“ „Dann sind wir Mann und Frau und bauen uns ein eigenes kleines Zuhause.“
The miner says to her, “On St. Lucia's Day the priest will bless our love.” “Then we will be man and wife, and we will build ourselves a little home of our own.”
Die Braut lächelt lieb und antwortet: „Frieden und Liebe sollen darin wohnen.“ „Denn du bist alles für mich.“ „Ohne dich will ich lieber im Grab sein als an einem anderen Ort.“
The bride smiles sweetly and answers, “Peace and love shall live in it.” “For you are everything to me.” “Without you I would rather be in the grave than anywhere else.”
Kurz vor dem Luciatag spricht der Pfarrer in der Kirche zum zweiten Mal über die Hochzeit. Er fragt: „Kennt jemand einen Grund, warum die beiden nicht heiraten dürfen?“ Da meldet sich der Tod.
Shortly before St. Lucia's Day, the priest speaks about the wedding in church for the second time. He asks, “Does anyone know of a reason why the two of them may not marry?” Then Death speaks up.
Am nächsten Morgen geht der junge Mann in seiner schwarzen Bergmannskleidung zur Arbeit. Diese schwarze Kleidung ist für einen Bergmann auch seine Totenkleidung. Er kommt an dem Haus von seiner Braut vorbei und klopft noch einmal an ihr Fenster. Er wünscht ihr einen guten Morgen – aber nie mehr einen guten Abend.
The next morning the young man goes to work in his black miner's clothes. For a miner, these black clothes are also his shroud. He passes his bride's house and knocks on her window once more. He wishes her good morning – but never again good evening.
Er kommt nie mehr aus dem Bergwerk zurück. An diesem Morgen näht sie ihm ein schwarzes Halstuch mit rotem Rand für die Hochzeit. Aber er kommt nicht, und sie legt das Halstuch weg. Sie weint um ihn und vergisst ihn nie.
He never comes back from the mine. That morning she is sewing him a black neckerchief with a red border for the wedding. But he does not come, and she puts the neckerchief away. She weeps for him and never forgets him.
Dann vergehen viele Jahre, und in der Welt passiert sehr viel. Ein Erdbeben zerstört die Stadt Lissabon in Portugal, und der Siebenjährige Krieg geht zu Ende. Kaiser Franz der Erste stirbt, und den Jesuitenorden gibt es nicht mehr. Andere Länder teilen Polen unter sich auf, und die Kaiserin Maria Theresia stirbt.
Then many years go by, and a great deal happens in the world. An earthquake destroys the city of Lisbon in Portugal, and the Seven Years' War comes to an end. Emperor Francis I dies, and the Jesuit order no longer exists. Other countries divide Poland up among themselves, and Empress Maria Theresa dies.
Struensee muss sterben, und Amerika wird frei. Frankreich und Spanien kämpfen zusammen um Gibraltar, aber sie können es nicht erobern. Die Türken sperren General Stein in der Veteranihöhle in Ungarn ein. Auch Kaiser Joseph stirbt.
Struensee is put to death, and America becomes free. France and Spain fight together for Gibraltar, but they cannot conquer it. The Turks shut General Stein up in the Veterani Cave in Hungary. Emperor Joseph dies too.
In Falun in Schweden küsste vor mehr als fünfzig Jahren ein junger Bergmann seine junge, hübsche Braut. Die beiden wollten am Luciatag im Dezember heiraten.
In Falun in Sweden, more than fifty years ago, a young miner kissed his pretty young bride. The two of them wanted to get married on St. Lucia's Day in December.
„Am Luciatag segnet der Pfarrer unsere Liebe“, sagte er zu ihr. „Dann sind wir Mann und Frau und bauen uns ein eigenes kleines Zuhause.“
“On St. Lucia's Day the priest will bless our love,” he said to her. “Then we will be man and wife and build ourselves a little home of our own.”
„Und Frieden und Liebe sollen darin wohnen“, antwortete die schöne Braut mit einem lieben Lächeln. „Denn du bist mein Ein und Alles, und ohne dich wäre ich lieber im Grab als irgendwo anders.“
“And peace and love shall live in it,” the beautiful bride answered with a sweet smile. “For you are all the world to me, and without you I would rather be in the grave than anywhere else.”
Kurz vor dem Luciatag verkündete der Pfarrer in der Kirche zum zweiten Mal die Hochzeit. Er fragte: „Kennt jemand einen Grund, warum diese beiden Menschen nicht heiraten dürfen?“ Da meldete sich der Tod.
Shortly before St. Lucia's Day, the priest announced the wedding in church for the second time. He asked, “Does anyone know of a reason why these two people may not marry?” Then Death spoke up.
Am nächsten Morgen ging der junge Mann in seiner schwarzen Bergmannskleidung an ihrem Haus vorbei. Wie jeder Bergmann trug er damit schon sein Totenkleid. Er klopfte noch einmal an ihr Fenster und wünschte ihr einen guten Morgen – aber keinen guten Abend mehr. Denn er kam nie mehr aus dem Bergwerk zurück.
The next morning the young man walked past her house in his black miner's clothes. In them, like every miner, he was already wearing his shroud. He knocked on her window once more and wished her good morning – but never again good evening. For he never came back from the mine.
An diesem Morgen nähte sie für ihn ein schwarzes Halstuch mit rotem Rand, das er bei der Hochzeit tragen sollte. Doch sie nähte es vergeblich. Als er nicht mehr kam, legte sie das Tuch weg, weinte um ihn und vergaß ihn nie.
That morning she was sewing him a black neckerchief with a red border, which he was to wear at the wedding. But she sewed it in vain. When he did not come, she put the neckerchief away, wept for him and never forgot him.
In Falun in Schweden küsste vor gut fünfzig Jahren und mehr ein junger Bergmann seine junge, hübsche Braut.
In Falun in Sweden, a good fifty years ago and more, a young miner kissed his pretty young bride.
„Am Luciatag wird unsere Liebe von der Hand des Priesters gesegnet“, sagte er zu ihr. „Dann sind wir Mann und Frau und bauen uns ein eigenes kleines Nest.“
“On St. Lucia's Day our love will be blessed by the priest's hand,” he said to her. “Then we shall be man and wife and build ourselves a little nest of our own.”
„Und Frieden und Liebe sollen darin wohnen“, sagte die schöne Braut mit einem lieben Lächeln. „Denn du bist mein Ein und Alles, und ohne dich wäre ich lieber im Grab als an irgendeinem anderen Ort.“
“And peace and love shall live in it,” said the beautiful bride with a sweet smile. “For you are all the world to me, and without you I would rather be in the grave than anywhere else.”
Doch kurz vor dem Luciatag verkündete der Pfarrer in der Kirche zum zweiten Mal, dass die beiden heiraten wollten. Er fragte: „Kennt jemand ein Hindernis, warum diese beiden Menschen nicht heiraten sollen?“ Da meldete sich der Tod.
But shortly before St. Lucia's Day, the priest announced in church for the second time that the two of them wished to marry. He asked, “Does anyone know of any impediment why these two people should not marry?” Then Death spoke up.
Am nächsten Morgen ging der junge Mann in seiner schwarzen Bergmannskleidung an ihrem Haus vorbei – der Bergmann trägt sein Totenkleid ja immer am Leib. Er klopfte zwar noch einmal an ihr Fenster und wünschte ihr einen guten Morgen, aber keinen guten Abend mehr. Er kam nie mehr aus dem Bergwerk zurück. Vergeblich nähte sie an diesem Morgen ein schwarzes Halstuch mit rotem Rand für ihn, das er am Hochzeitstag tragen sollte. Als er nicht mehr kam, legte sie es weg, weinte um ihn und vergaß ihn nie.
The next morning the young man walked past her house in his black miner's clothes – for a miner, after all, always wears his shroud. He did knock on her window once more and wish her good morning, but never again good evening. He never came back from the mine. That morning, in vain, she sewed a black neckerchief with a red border for him to wear on their wedding day. When he did not come, she put it away, wept for him and never forgot him.
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